Alles anzeigenSan Cristóbal. Die angekündigte Übergabe der Westlichen Inseln aus futunischer Kontrolle an die Vereinigten Staaten von Astor sorgt auch in San Cristóbal für Aufmerksamkeit. Presidente Florencio Domingo OBaldía mahnte am Freitag zu Zurückhaltung und warnte davor, die bisherige Herrschaft Futunas lediglich durch eine neue ausländische Vormacht zu ersetzen.
„Die Regierung von San Cristóbal beobachtet die jüngsten Entwicklungen auf den Westlichen Inseln mit großer Aufmerksamkeit“, erklärte der Präsident. Die Zukunft der Inselgruppe betreffe die gesamte Region unmittelbar – San Cristóbal ebenso wie die Vereinigten Staaten von Astor. Umso wichtiger sei es, dass „auf die bisherige Fremdherrschaft nicht lediglich eine neue folgt“. Die Bevölkerung der Westlichen Inseln brauche Stabilität, Unterstützung und eine wirkliche Perspektive auf Selbstbestimmung, nicht aber einen neuen Vormund. Kurz gefasst: „Apoyo, no tutela“ – Unterstützung, keine Bevormundung.
Die Äußerung ist zugleich ein vorsichtiger Hinweis darauf, dass San Cristóbal die Vorgänge nicht allein als Angelegenheit zwischen Futuna, den Westlichen Inseln und Astor betrachtet. Die Inselgruppe liegt auf halber Strecke zwischen San Cristóbal und dem astorischen Festland. Eine dauerhafte militärische oder politische Präsenz Astors würde damit die strategischen Verhältnisse in der unmittelbaren Nachbarschaft San Cristóbals spürbar verändern.
Hinzu kommt, dass das Verhältnis zwischen Puerto Rojo und D.C. seit Jahren praktisch eingefroren ist. Im Jahr 2020 hatten der damalige astorische Präsident Conway und Presidenta Gutiérrez Jiménez einen bilateralen Vertrag geschlossen, der die Beziehungen zwischen beiden Staaten auf eine neue Grundlage stellen sollte. Nachdem die Vereinigten Staaten das Abkommen jedoch auch bis 2022 nicht ratifiziert hatten, kündigte San Cristóbal den Vertrag wieder auf. Seitdem herrscht zwischen beiden Hauptstädten weitgehend Funkstille.
Vor diesem Hintergrund erhält die Stellungnahme des Presidente zusätzliches Gewicht. Die Regierung vermied zwar jede offene Konfrontation mit D.C. und stellte weder die Notwendigkeit einer Stabilisierung der zuletzt faktisch regierungs- und ordnungslosen Inseln infrage noch kündigte sie eigene Maßnahmen an. Zugleich macht Puerto Rojo aber deutlich, dass es eine dauerhafte Neuordnung der Westlichen Inseln ohne Berücksichtigung der Interessen San Cristóbals kaum widerspruchslos hinnehmen dürfte.
Wie genau die Vereinigten Staaten die Übernahme gestalten wollen und welchen politischen Status die Westlichen Inseln künftig erhalten sollen, ist bislang offen. Entscheidend dürfte insbesondere sein, ob Astor seine Präsenz als vorübergehende Sicherungsmaßnahme versteht oder eine dauerhafte Eingliederung beziehungsweise Verwaltung der Inselgruppe anstrebt.
Für San Cristóbal ist die Entwicklung damit nicht nur eine Frage der Zukunft der Westlichen Inseln. Mit einer astorischen Präsenz auf dem Archipel würde eine der großen Mächte der Region zugleich erheblich näher an die eigene Küste heranrücken. Nach Jahren diplomatischer Funkstille zwischen D.C. und Puerto Rojo dürfte die Regierung deshalb besonders genau darauf achten, welche Schritte D.C. in den kommenden Wochen unternimmt.
Quelle: https://notw.mns.li/artikel/36…auf-den-westlichen-inseln