EL AÑO DE LOS NARCOTRAFICANTES
escrito por Juan Rios Palestro
Puerto Rojo, 2023
Ruhig ist es hier im Büro während ich die letzten Anpassungen an der Schlagzeile vornehme. Schriftart und Größe müssen natürlich stimmig sein. Nachdem mich der Chefredakteur aus dem Büro gescheucht hat, verlasse ich das riesige Bürogebäude Richtung Metro Station. Die Straßen Puerto Rojos sind regnerisch und kühl seit Wochen. Fast schon malerisch sind die nassen Callejónes durch die ich mich schwinge und die Skyline hat etwas post-apokalyptisches an sich. Angekommen an der Station Centro Alameda der Linie M2 & M3 das gleiche Bild - egal ob nass, trocken, kalt, heiß. Drogensüchtige Obdachlose am Betteln um sich den nächsten Schuss finanzieren zu können. Da frage ich mich als Bürger Puerto Rojos und San Cristóbals was passiert mit den Steuergeldern dieses Landes wenn dies der Anblick jedes Bahnhofs landesweit ist? Dieses Jahr ist es gefühlt schlimmer als die Jahre zuvor. Mehr Junkies, mehr Obdachlose und noch dazu diese Aggression wenn man ihnen nichts gibt. Meine Freunde und ich lachweinen darüber und nennen das ganze El Año de los Narcotraficantes, denn eines scheinen die Narcos richtig zu machen und zwar mächtig Geld zu machen während die Bevölkerung in Großstädten verkümmert. Der Krieg mit Veraguas nagt noch nach, die Armut steigt, die Kosten steigen und die Löhne bleiben konstant. Den einzigen Ausweg sehen mittlerweile viele nur noch in Drogen, Alkohol und Diebstahl. Puerto Rojo - einst die Perle dieser Region und sicherste Stadt des Kontinents, ist auf dem Weg in den Abgrund und das mit Vollgas. Den Bürgermeister interessiert es nicht, die Regierung interessiert es nicht und der besorgte Bürger interessiert beide nicht. Während meiner Kindheit konnte man problemlos als 9-jähriger mit seinem Tretroller durch die Stadt flitzen, nun ist das nicht mal für Erwachsene empfehlenswert. Da fragt man sich in meinem Alter bloß noch "Wo soll ich meine Kinder großziehen? Diese Stadt ist eine Katastrophe!". Aber wenn Sie denken in anderen Departamentos ist es besser muss ich Sie leider vertrösten: Santa Catalina ist eine Drogenhölle, San Matías ist von Barrios überhäuft, Costa Abeja ist unleistbar, in Cristóbalia müssen sie sich als nicht-Indigener um ihren Kopf fürchten und Costa Luna liegt seit Jahrzehnten wirtschaftlich am Boden. Ist das Jahr der Drogenschmuggler auch das Jahr des Beginns der Auswanderungswelle? Viele Junge sehen mittlerweile kaum noch irgendwo ein Licht in unserem wunderschönen Land und packen ihre Sporttasche, das Last Minute One-Way-Ticket im Hosensack gesponsert vom Ersparten der Quinceañera. Egal was die Jugend macht, ob Auswandern oder sich dem Drogenkonsum als Ausweg hingeben - die Augen der Familie sind voller Tränen.
Was tut unsere Regierung dagegen? Wie beschützt sie die Bürger und verhindert es, dass Großtstädte Abschaum werden?
Juan Rios Palestro, La Voz de Puerto Rojo